Across: Falle für Übersetzungsbüros

CAT-Software Across

Ab und zu bekommt man von Partnern Anfragen, die das CAT-Programm Across betreffen. Die Kollegen möchten nämlich wissen, wie es kommt, wenn sie sich für eine derartige Software entscheiden oder wenn sie einen Across-Auftrag abzuwickeln haben. 


Diese Frage hat eine prinzipielle Bedeutung. Mehr noch: Eine Kaufentscheidung kann für ein Übersetzungsbüro durchaus gravierende bis fatale Folgen haben.

Dieses Posting stammt ursprünglich aus dem Jahr 2013. Wenn man aber heute Übersetzer-Foren liest, stellt man unschwer fest, dass es immer noch aktuell ist, denn die Philosophie eines Unternehmens ändert sich in der Regel nicht, solange das Unternehmen überhaupt existiert.

Also ist die Verkaufspolitik von Across ziemlich einfach aber auch schlau: sie vermarkten aggressiv administrative Module ihrer Software, also die Programmmodule, mit welchen sich vor allem die Übersetzungsbüros / Projektkoordinatoren befassen, also ausgerechnet diejenigen, die das Programm zwar bezahlen, aber nicht direkt als Übersetzer damit arbeiten. Und das ist eben der Clou in der ganzen Geschichte!

Die Across-Programmmodule für Übersetzer sind nämlich für eine seriöse und ordentliche Auftragsabwicklung in mehreren Hinsichten total unbrauchbar. Also bekommt man dann am Ende einen abgehetzten Übersetzer mit schlechten Übersetzungen und ein Übersetzungsbüro, das gar nicht verstehen kann, wieso der dumme Übersetzer mit solch einem tollen Programm (das auch was gekostet hat) nicht zurechtkommt.

Die bittere Erkenntnis seitens des Übersetzungsbüros kommt oft zu spät, wenn überhaupt. Schließlich ist das Geld schon weg, und eigene Fehler gesteht man sich ja bekanntlich nicht so gern. Also wird dann konsequenterweise der Übersetzer zum Sündenbock gemacht.

Im Detail funktioniert die Across-Gaunerei etwa so:

- Der Betreiber des Übersetzungsbüros kauft sein administratives Across-Modul, um sich gemütlich zurückzulehnen und Projekte und Abläufe per Knopfdruck zu steuern bzw. zu kontrollieren. Klingt gut, nicht wahr? Darum darf es auch etwas kosten. Logisch.

- Der (gemeinte) Übersetzer kauft aber sein übersetzerisches Modul nicht. Er bekommt es großzügig kostenlos! Geschenkt, sozusagen. Auch nicht schlecht! Darum darf er aber nicht meckern, wenn etwas ab und zu etwas schief läuft.

Das Problem besteht aber darin, dass es beim Across ständig etwas schief läuft, geschweige denn, dass private und jahrelang gesammelte Datenbestände des Übersetzers (Translation Memories) bald auf dem Server des Übersetzungbüros und wer weiß wo sonst noch landen. Darüber hinaus schafft es Across locker, den PC des Übersetzers in wenigen Tagen mit elektronischem Müll vollzustopfen und - nicht selten - das Betriebssystem komplett zu ruinieren.

Der Zirkus spielt sich dabei immer wieder nach dem gleichen Szenario ab:


Übersetzer an Übersetzungsbüro: Hier läuft etwas schief mit meinem Across! (x10 mal)

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Keine Angst! Anweisung studieren, dann geht es schon! (x10 mal)

Übersetzer an Übersetzungsbüro: Das funktioniert aber trotzdem nicht!

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Na gut, Across hat sich soeben bei mir gemeldet. Es gab einen kleinen Fehler im System. Hier kommt der Patch. Einfach installieren! Dann geht es!

Übersetzer an Übersetzungsbüro: Danke! Aber das Programm stürzt immer noch ab.

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Ja, genau! Weil Sie den falschen Patch bekommen haben. Hier kommt der richtige Patch!

Übersetzer an Übersetzungsbüro: Danke! Aber ich kann ihn nicht installieren. Ich bekomme die Fehlermeldung, dass mein Virus-Scanner deaktiviert werden soll...

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Und? Dann eben abschalten!

Übersetzer an Übersetzungsbüro: (resigniert) Jetzt braucht Across eine neue Version von Java (Adobe, SQL usw.)...

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Stimmt! Software muss immer top aktuell sein! Bitte alles erneuern!

Übersetzer an Übersetzungsbüro: Across stürzt aber schon wieder ab. Was tun?

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Patchen! Was denn sonst? Hier kommt der Link. (x10 mal)

Übersetzer an Übersetzungsbüro: Das hilft nicht weiter.

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Wissen Sie, ich habe es langsam satt. Sie besitzen anscheinend nicht die einfachsten Fertigkeiten, um mit solch einem einfachen, übersichtlichen und logisch aufgebauten Modul wie Across zurechtzukommen!

Übersetzer an Übersetzungsbüro: Doch, aber...

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Dann sprechen Sie direkt mit Across-Hotline! Unsere Kontaktpersonen sind Frau Xxxxewitsch oder HerrXxxxewsky, hier sind ihre E-Mail-Adressen.

Übersetzer an Across: Hallo Frau Xxxxewitsch! Ich habe ein Problem mit Ihrem Modul für Übersetzer, und zwar...

Across an Übersetzer: Hallo, Herr Übersetzer! Danke für Ihre Anfrage an Hersteller des Across Language Server, einer marktführenden Softwareplattform für alle Sprachressourcen und Übersetzungsprozesse! <bla-bla-bla> ...darum studieren Sie nochmals gründlich die Gebrauchsanweisung zu Ihrem kostenlosen Modul oder setzen Sie sich rechtzeitig Ihren Auftraggeber in Verbindung! Danke!

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Ich habe nun Across-Hotline kontaktiert, aber es ist völlig nutzlos, was die da schreiben...

Übersetzungsbüro an Übersetzer: Was soll das schon wieder? Wir hatten nie Probleme mit Across-Hotline. Und unser Modul im Büro funktioniert auch einwandfrei. Ich fürchte, Ihnen fehlen elementare Computerkenntnisse. Das stimmt uns nachdenklich...

Natürlich dauert es dann nicht mehr lange, bis dem Übersetzer oder dem Übersetzungsbüro der Kragen platzt, sowie weitere Zusammenarbeit massiv beeinträchtigt oder sogar unmöglich gemacht wird. Auch der Endkunde wird garantiert zum Verlierer.

Den Gewinn bekommt nur Across.


Dies ist kein Erfahrungsbericht im eigentlichen Sinne, denn auf mühsame Beschreibungen von zahlreichen Makeln dieses CAT-Programms wurde hier bewusst verzichtet. So was findet man in anderen Quellen mehr als genug.

Mit diesem Posting wurde lediglich versucht, Übersetzungsbüros darauf aufmerksam zu machen, dass man beim Erwerb einer CAT-Software unbedingt die Meinung des Übersetzers einbeziehen soll. Und zwar VOR dem Erwerb, und nicht NACH dem Erwerb. Damit man nicht in die Falle tappt, die von CAT-Anbietern wie Across aufgestellt wird.