Vier-Augen-Prinzip

 Vier-Augen-Prinzip
Mit dem 4-Augen-Prinzip in der Übersetzungsbranche wird heute gern Werbung getrieben.

Diese Art der Qualitätssicherung gehört sogar zur internationalen Norm DIN EN ISO 17100, die besagt, dass ein zweiter qualifizierter Übersetzer im Nachgang der angefertigten Übersetzung das Korrekturlesen des übersetzten Textes übernehmen soll.

Die Idee solch einer qualitätssteigernden Maßnahme bei der Abwicklung eines Übersetzungsauftrags ist zweifelsohne beachtenswert und effektiv: Wenn ein frisch übersetzter Text von einer anderen Person kritisch unter die Lupe genommen wird, kann das ja nur vom Vorteil sein.

Doch in der Praxis lässt sich das 4-Augen-Prinzip gar nicht so leicht verwirklichen, denn das Gegenlesen ist offensichtlich mit einem erheblichen zusätzlichen Aufwand verbunden: sowohl organisatorisch, als auch - und allem voran - finanziell.

Das Lektorat einer Übersetzung ist nämlich eine spezielle Art der übersetzerischen Tätigkeit, die aufwandmäßig manchmal sogar anspruchsvoller ist, als die Übersetzung selbst. Darum sollte der Kunde klar verstehen, dass eine wirklich nach dem 4-Augen-Prinzip angefertigte Übersetzung in aller Regel und zwangsläufig das Doppelte des normalen Preises kosten muss. Ob jeder Kunde das ohne weiteres akzeptiert, ist meistens eine offene Frage.

Allerdings gibt es auch beim Einsatz des 4-Augen-Prinzips eine günstige und durchaus effektive Möglichkeit, die gleichbleibend hohe Qualität einer Übersetzung Deutsch-Russisch zu gewährleisten: Man soll dem Übersetzer einfach etwas mehr Zeit geben, und zwar so viel, dass er die bestellte Übersetzung und in aller Ruhe anfertigen und anschließend mehrmals selbst überprüfen kann. Wenn man aber die Zeit so einkalkuliert, dass der Übersetzer seine Arbeit vielleicht für einen oder mehrere Tage beiseite legen und dann nochmals „mit dem frischen Auge“ gegenlesen kann, dann kann man das eigentlich als eine beinahe perfekte Umsetzung des 4-Augen-Prinzips ohne jeglichen Aufpreis betrachten: der zeitliche Abstand erlaubt nämlich dem Übersetzer, in der Rolle eines versierten Korrektors seiner eigenen Übersetzung aufzutreten.